Wie küsst die Muse?
Gestern wurden mir die Ohren vollgesungen wie schwer es nicht sei auf Knopfdruck kreativ zu sein. Worauf eine kleine Diskussion entbrannte und sich auch die restlichen drei Anwesenden gegen mich stellten. Sich auf Befehl etwas mit Fantasie einfallen zu lassen scheint tatsächlich ein Ding der Unmöglichkeit für viele zu sein.
Ins Land der Innovationen zu reisen, wie es Hr. Treichl erträumt (nehmen Sie mich bitte mit!), ist eine Möglichkeit dem grauen Alltagsgedanken zu entfliehen und neuen Denkmustern Platz zu machen.
Viele andere Möglichkeiten zeigen einem die unterschiedlichen Kreativitätstechniken auf. Eine der bekanntesten ist wohl Brainstorming - doch darüber hinaus rühmen sich Kreativitätstrainer gerne mit einer möglichst hohen Zahl an weiteren Techniken die sie nutzen und beherrschen um aus der Luft Ideen zu generieren. “Wer hat die meisten PS” Gehabe aus der pubertären Phase sehen ich auf der einen Seite, ein fragwürdiges Argument für “es liegt nur an der Technik” auf der Anderen.
Dabei kann es auch ganz einfach gehen.
Alles was man benötigt ist das richtige Bildchen und ein klein wenig Zeit vor Beginn des Schaffens. Wie es der Zufall will habe ich heute dazu von einer Studie gelesen:
Es gibt dabei Teilnehmer und jeder hat ein Foto. Auf dem Foto haben Männer eine attraktive Frau abgebildet, und für alle Frauen gilt das auf ihrem Foto ein attraktiver Mann ist. Die Aufgabe war etwa: “Stellen Sie sich vor Sie haben diese Person auf dem Foto gerade kennen gelernt, und Sie finden sich unglaublich anziehend. Sie trinken ein Getränk an einem netten Ort, und folgen Ihren Gedanken frei wie es zu einem Ihnen angenehmen Ende weitergeht. Alles ist erlaubt in Ihrem Kopf. Eine Affäre, ein romantisches Rendevouz, nach 1 Jahr Zwillinge und Heirat oder eine heiße Nacht.”
In der Studie, veröffentlicht im Journal of Personality and Social Psychology im Juli ‘06, verfassten die Teilnehmer vorher und anschliessend Texte. Diese wurden verglichen.
Allen Männern wurde eine Erhöhung der Einfallskraft bescheinigt. Die Texte waren fantasievoller und reicher an Bildern. Die Arbeit war kreativer.
Bei den Frauen war es in der Untersuchung noch nicht gleich soweit. Die Vorstellung eines Techtelmechtels liess die Teilnehmerinnen kalt. Auch ein mögliches weiteres Treffen half der Fantasie noch nicht weiter. Die Vorstellung aber das der Fotomensch ein treuer, sich auf Partnersuche befindlicher Single ist hatte die erwünschte Wirkung.
Die Texte wurden lebendiger und kreativer.
Die gleichen Vorstellungen lösten bei Männern keinen Kreativitätsschub aus. Die Unterschiede erklärt man im geschlechtsspezifischem Verhalten. Männer wenden Energie auf um die “ersten Hürden” zu umschiffen und aktivieren so ihre kreativen Adern um einfallsreich zum Ziel zu kommen. Frauen hingegen sind auf langfristige Beziehungen fixiert und aktivieren ihre kreativen Energien um diese zu erreichen.
Bevor ich sofort wütende Kommentare bekomme: Ich weis, es gibt Ausnahmen in beiden Lagern, ich rede hier von generellen gesellschaftlichen Prägungen.
Die Folge dieses Phänomens:
Ich habe seit Langem immer mindestens ein Ideen-Foto zur Hand. Habe ich etwas dringend Kreatives zu erledigen nehme ich es zur Hand und stell mir das nächste Wochenende in buntesten Geschichten vor. Das dauert etwa 2 Minuten und danach beginne ich zu arbeiten. Und tatsächlich. Es geht leichter von der Hand. Fliesst leichter von Beginn an und macht von Anfang an Spass. Ideen fliessen.
Wenn Sie möchten nutzen Sie diese kleine Technik auch
Suchen Sie sich Ihre Ideen-Fotos je nach Vorliebe und Neigung zusammen. Die eigene Fotokiste ist dafür genauso geeignet wie Fotogemeinschaften im Internet wie etwa flickr.com .
Nehmen Sie ein so kleines Format dass sie die Fotos leicht überall verstauen können.
Und wenn es das nächste Mal eilig ist mit der Kreativität nehmen Sie sich eines hervor, betrachten Sie es genau und stellen Sie sich die Fotoperson und Sie in den Hauptrollen Ihres Fantasiefilms vor.
Beginnen Sie anschliessend sofort mit Ihrer Arbeit, und seien Sie überrascht.
December 4th, 2006 at 7:51 pm
Lieber Herr Moser,
der erste Beitrag und ich finde Erwähnung - welch eine Ehre, Danke! Von der Idee des Blogs bin ich begeistert und wünsche zum Start dieser eleganten Seiten alles Gute!
Ich komme gerade selbst von einem mehrtägigen Innovationsworkshop zurück und kann Ihnen nur Recht geben - einige wenige Kreativitätstechniken reichen absolut.
Lieber mehr Zeit in die Formulierung der Fragestellungen zum Problem investieren, es greifbarer machen, dann gehts gleich wesentlich einfacher mit den Lösungen … auch ohne 111 Kreativitätstechniken und teure Kreativitätstrainer
December 5th, 2006 at 2:33 pm
Hr. Treichl.
es freut mich das Sie der erste sind der mir einen Kommentar schenkt. Danke!
Wir sehen uns ja dann am Flughafen vor Abflug ins Land der Innovation!
December 6th, 2006 at 5:38 pm
Wenn Sie so weitermachen wie mit den 2 jüngsten beiden Einträgen, bin ich maximal als Caddie mit dabei
Super, gefällt mir!